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Johannes XXIII. (Mitte) bei der Eröffnung des Konzils. Foto: katholisch.at

Ein Ereignis des Heiligen Geistes

Vor 60 Jahren, am 8. Dezember 1965, endete das Zweite Vatikanische Konzil. Die Mehrheit der Christ:innen weltweit gehört heute zu den Nachgeborenen. Welche Impulse gilt es weiterzutragen, und wie können wir den Geist der Erneuerung wachhalten?

 

Am Konzil nahmen rund 2500 Bischöfe aus allen Kontinenten teil. Sie versammelten sich in drei Jahren zu zehn öffentlichen Sitzungen und verabschiedeten vier grosse Dokumente, sogenannte Konstitutionen, drei Erklärungen und neun Dekrete. Vorbereitungskommissionen legten Textentwürfe vor, die nicht selten von der Versammlung verworfen wurden. Das Konzil war ein enormer Kraftakt, aber auch ein Aufeinanderhören und gemeinsames Voranschreiten. Aus diesem Grund wird es auch als ein Ereignis des Heiligen Geistes bezeichnet. 

Polarisierungen traten erst nach dem Konzil zutage 

Die Dokumente wurden alle mit grosser Zustimmung verabschiedet. Die Polarisierungen traten erst nach dem Konzil zutage, als sich Bewegungen gründeten, die jegliche Öffnung der Kirche ablehnten und Religionsfreiheit wie Ökumene negierten, wie beispielsweise die Piusbruderschaft mit ihrem Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991). Auch die vernachlässigten und verdrängten Themen des Konzils holten die Kirche in den Folgejahren ein, so die sogenannte Frauenfrage, verheiratete Priester, fehlende Rechte der Laiinnen und Laien. 

Ein menschenrechtliches Statement 

Einen religionsgeschichtlichen Meilenstein setzte die Anerkennung der Religionsfreiheit: Die Konzilsversammlung lehnte jeden Zwang in religiösen Dingen ab und erklärte Religions- und Gewissensfreiheit als in der Würde der menschlichen Person begründet. Dies war ein Paradigmenwechsel, stellte die katholische Kirche doch bis dahin die Wahrheit über die Person. «Das Recht der Religionsfreiheit steht in keinem Zusammenhang mit der Wahrheit oder Falschheit einer Religion; damit ist der Weg frei, allen religiösen Gemeinschaften gleiche Rechte zuzusprechen.» (Margit Eckholt) 

Die Zeichen der Zeit erkennen 

Auch im kirchlichen Selbstverständnis dachte das Konzil neu (biblischer!) und deutete Kirche als das Volk Gottes und als Zeichen und Instrument des göttlichen Handelns. Kirche ist nach dem Konzil eine dynamische Grösse und findet sich auf dem Weg durch die Zeit mit dem Judentum verbunden. Mehr noch: Gegründet im Auftrag, das Evangelium des menschenfreundlichen Gottes zu verkünden, lernt die Kirche, in den anderen Kirchen und Gemeinschaften wie auch in allen Menschen guten Willens Weggefährt:innen zu sehen. Nicht im Rückzug auf sich selbst, sondern nur in wacher Zeitgenossenschaft, im Erkennen der Zeichen der Zeit, kann Kirche das Evangelium verstehen und Zukunft schaffen. Überzeugt, dass eine reiche Kirche die Zeichenhaftigkeit der Kirche pervertiert und den mitleidenden und befreienden Gott verdeckt, schloss eine Gruppe von Bischöfen den sogenannten Katakombenpakt für eine arme und dienende Kirche. 


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