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Die Haltung der Schweizer Bischöfe untergräbt die Glaubwürdigkeit der Kirche, sagt Sylvia Stam in ihrem Kommentar. Foto: Pia Neuenschwander

Ein Armutszeugnis für die Kirche

Das Privatleben von Seelsorgenden bleibt relevant für deren kirchliche Anstellung. Die Bischöfe pervertieren mit dieser Haltung die Glaubwürdigkeit der Kirche, sagt «pfarrblatt»-Redaktorin Sylvia Stam in ihrem Kommentar.

 

Das Privatleben der Seelsorgenden soll bei deren kirchlicher Anstellung keine Rolle mehr spielen. Dies fordern mehrere kirchliche Organisationen, darunter die Römisch-Katholische Zentralkonferenz. Nach zwei Jahren Diskussion liegt die Antwort der Bischöfe nun vor: Sie ändern grundsätzlich nichts an ihrer Haltung. Das Privatleben bleibt arbeitsrechtlich relevant. 

Diese simple Antwort führen die Bischöfe auf sieben Seiten aus. Daran wird vor allem eines deutlich: Die Schweizer Bischöfe tun sich schwer mit der Entkopplung von Privatleben und kirchlicher Beauftragung. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ihre unverändert lehramtstreue Haltung hinter umständlichen Formulierungen zu verstecken versuchen. 

Es wäre tatsächlich einer Sensation gleichgekommen, hätten sich die Herren in Purpur dazu durchringen können, die Haltung ihrer deutschen Kollegen zu übernehmen. Die deutsche Bischofskonferenz hat schon im November 2022 in ihrer Grundordnung festgehalten: «Der Kernbereich privater Lebensgestaltung, insbesondere Beziehungsleben und Intimsphäre, bleibt rechtlichen Bewertungen entzogen.»

Dass die partnerschaftliche Lebensform von Seelsorgenden weiterhin ein Kriterium für den kirchlichen Dienst bleibt, ist ein Armutszeugnis für die Schweizer Amtskirche und eine Ohrfeige für alle Betroffenen, die sich mit Herzblut für diese Kirche einsetzen. Selbst wenn im Einzelfall Lösungen gefunden werden können, so ist die Intransparenz bischöflicher Entscheidungen ein Einfallstor für Willkür. Die Folge ist ein Klima des Misstrauens und der Angst. Damit pervertieren die Bischöfe das, was sie mit ihrer Haltung zu retten vorgeben: nichts Geringeres als die Glaubwürdigkeit der Kirche.