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Florian Lüthi gehört zum Team von «Vox Ethica». Foto: zVg

Die Denkfabrik für christliche Ethik in der Schweiz

Seit rund einem Jahr ist «Vox Ethica» die «Stimme der katholischen Kirche». In ­welchem Namen und zu welchen Themen äussert sie sich? Trotz unterschiedlicher Abhängigkeiten pocht die Dienststelle auf Eigenständigkeit.

Elisabeth Zschiedrich

Gelegentlich heisst es, «Vox Ethica» sei eine Dienststelle der Bischofskonferenz. «Ein Missverständnis», sagt der Theologe Florian Lüthi. «Wir arbeiten unabhängig.» «Wir», das sind neben Lüthi die Philosophin und Leiterin der Dienststelle Florence Quinche und ab Oktober die Philosophin Anik Sienkiewicz.

Gegründet wurde «Vox Ethica» im Juni 2025 von Fastenaktion, der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ). Alle drei Organisationen finanzieren die Dienststelle gemeinsam. Die SBK stellt den Mitarbeitenden die Büros zur Verfügung. «Wenn wir aber eine Stellungnahme verfassen, redet uns niemand rein», sagt Lüthi. Die Grundlagen der Argumentation von «Vox Ethica» stehen indes fest: das christliche Menschenbild, die Prinzipien der katholischen Soziallehre und die Menschenrechte. 

Reflexion und Orientierung 

«Ethische Fragestellungen gewinnen in allen gesellschaftlichen Bereichen an Bedeutung», sagt Sabine Stalder, stellvertretende Generalsekretärin der RKZ und Vorsitzende des Steuerungsausschusses von «Vox Ethica». Die Problemfelder etwa in der Bioethik oder mit Blick auf Nachhaltigkeit seien so komplex, dass es eine sorgfältige ethische Reflexion und Orientierung auch aus christlich-katholischer Perspektive brauche. 

Mit «Vox Ethica» wollten die Trägerorganisationen – die SBK, die RKZ und Fastenaktion – die bisherige ethische Arbeit der katholischen Kirche in der Schweiz stärken, bündeln und weiterentwickeln. Die schon länger bestehenden Kommissionen der SBK, die Kommission für Bioethik und die Kommission «Justitia et Pax», wurden als Teile der Dienststelle in «Vox Ethica» integriert. «So entstand eine gemeinsame, breiter aufgestellte Plattform», erklärt Stalder.

Trotz der engen Zusammenarbeit mit den bestehenden Organisationen meldet sich «Vox Ethica» aber auch mit einer eigenen Stimme zu Wort. So lieferte die Dienststelle vergangenes Jahr etwa Argumente zur Unterstützung der Initiative für einen nachhaltigen Finanzplatz und bezog Stellung zum Entwurf eines Bundesgesetzes über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien. Im Juni dieses Jahres schrieb «Vox Ethica» in einer Stellungnahme, die «10-Millionen-Initiative» biete «keine angemessenen und realistischen Lösungen für sehr unterschiedliche Probleme».

Ethische Themen sichtbar machen

Warum positioniert sich die katholische Kirche überhaupt öffentlich in ethischen Fragen? «Das Evangelium fordert uns dazu heraus», sagt Lüthi. «Jesus stellt die Ärmsten und die Schwächsten in den Mittelpunkt. Darauf baut unser Glaube auf.» Die Kirche könne also nicht schweigen, wenn Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit und Gemeinwohl zur Disposition stünden. Im Vergleich zu den Kommissionen wie auch zur SBK selbst könne sich «Vox Ethica» pointierter und schneller äussern: «Wir müssen nicht erst alle Mitglieder eines Gremiums ins Boot holen.»

Neben dem Aufgreifen aktueller Debatten will «Vox Ethica» im Sinne einer Denkfabrik für ethische Fragen auch relevante Themen, etwa mit Blick auf die Asylthematik oder den Einsatz künstlicher Intelligenz, überhaupt erst sichtbar machen. Eine weitere Aufgabe der Dienststelle ist die Vernetzung kirchlicher Stellen über Bistums- und Sprachgrenzen hinweg. Eine solche fand Ende Juni bei der «Nationalen Tagung zur Integralen Ökologie» in Fribourg statt. Organisiert wurde diese von «Vox Ethica».