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Der Herbst und der Mensch

Kolumne aus der Inselspitalseelsorge

Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Er ist wirklich wunderschön, farbenfroh und gleichzeitig eine deutliche Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens auf dieser Welt. Am besten lässt sich dieser Prozess an den Blättern beobachten. Die im Frühling kräftigen und grünen Blätter werden mit Beginn des Herbstes schwächer und fallen von den Bäumen. 

Selbst der Mensch, eine Schöpfung Gottes, durchläuft im Laufe seines Lebens verschiedene Phasen. Schliesslich dauert sein Leben so lange, bis er zu seinem Schöpfer zurückkehrt. 

Im Koran wird dies wie folgt beschrieben: «Allah ist es, Der euch in Schwäche erschaffen hat, und nach der Schwäche gab Er (euch) Stärke. Dann wiederum, nach der Stärke, gab Er (euch) Schwäche und graues Haar.» (30:54)

So wie das Fallen der Blätter kein Ende, sondern der erste Schritt zu einem neuen Anfang ist, so ist auch die Rückkehr des Menschen zu seinem Schöpfer der erste Schritt zu einem neuen Anfang. 

Auch die Bibel erinnert an die Natürlichkeit des Wandels und das Ende jeder Lebensphase: «Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben seine Zeit.» (Kohelet 3,1–2a)

So wie der Herbst die Natur auf die Ruhe vorbereitet, ist auch das Verlassen dieser vergänglichen Welt durch den Menschen nichts anderes als ein Übergang zu Gottes Barmherzigkeit. Deshalb liebe ich den Herbst, denn seine goldenen Farben regen mich zum Nachdenken und Danken an und lassen mich glauben, dass die Rückkehr zu Gott der erste Schritt zu etwas völlig Neuem ist.

Rubin Gjeci, Seelsorger im Inselspital

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