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«Unser tägliches Brot gib uns heute …» So wie Jesus an keiner Not vorüberging, kann eine Kirche nicht synodal sein, ohne sich des Hungers der Menschen anzunehmen. Foto: unsplash

Das Vaterunser als synodales Gebet

Synodal Kirche sein heisst, als Getaufte «gemeinsam» auf dem «Weg» zu sein. Dazu gehört auch das gemeinsame Gebet. Ein Gebet, das vieles enthält, worauf es auf synodalen Wegen ankommt, ist das Vaterunser.


«Vater unser…» 

Ein Stück Synodalität steckt schon in der Anrede. Wer «Vater unser» sagt, drückt gleichzeitig Verbundenheit mit Gott und untereinander aus. Menschen, die Gott als «Vater» oder «Mutter» ansprechen, sind als Geschwister unterwegs, alle gleichwertig, so unterschiedlich sie sein mögen.

«…im Himmel» 

So viel Vertrauen in der Vater-Anrede steckt, so deutlich signalisiert das «im Himmel» die Entzogenheit Gottes. Auch in einer synodalen Kirche heisst «Glauben nichts anderes, als die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten» (Karl Rahner). 

«Geheiligt werde Dein Name» 

Das «werde», «komme» und «geschehe» bittet einerseits, Gott selbst möge dafür sorgen, dass sein Name heilig sei, sein Reich komme, sein Wille geschehe. Anderseits ist es die Bitte darum, selbst befähigt zu werden, sich aktiv an der Verwirklichung dieser Bitten zu beteiligen. Dabei ist mit dem «Namen» Gottes die Art und Weise gemeint, wie er sich den Menschen zu erkennen gibt: Als «Ich bin da», als Befreier, als Trösterin und als die Heilige, von der die Bibel sagt, sie «wohne im unzugänglichen Licht». Wer hingegen Gottes Namen für eigene Interessen instrumentalisiert, missbraucht ihn. 

«Dein Reich komme» 

Synodale Wege sind keine Wege nach (n)irgendwo, sondern Wege in der Nachfolge Jesu. Die Gottesherrschaft, um die es Jesus ging, hat mit von Über- und Unterordnung geprägten, machtförmigen Herrschaftsformen nichts zu tun. Sie lebt von Geschwisterlichkeit und Solidarität. Glaubwürdig um das Kommen des Reiches bitten kann nur, wer sich für eine Kirche einsetzt, die schon anfanghaft verwirklicht, was im Reich Gottes gelten wird. 

«Dein Wille geschehe» 

Synodale Kirche sein heisst insbesondere, gemeinsam nach der Absicht Gottes für die konkrete Situation zu suchen. Die Bitte, Gottes Wille möge nicht nur im Himmel, sondern hier und jetzt zur Geltung kommen, ist daher zentral. Im Kontext des synodalen Ringens um eine zeitgemässe Kirchengestalt ist diese Frage sehr konkret: Ist es wirklich Gottes Wille, dass das Weiheamt Männern vorbehalten bleibt? Entspricht unser Umgang mit den Kirchenfinanzen dem Willen Gottes? 

«Unser tägliches Brot gib uns heute …» 

Die Bitte um das tägliche Brot handelt vom Hunger und «unserer» Hoffnung, satt zu werden. So wie Jesus an keiner Not vorüberging, kann eine Kirche nicht synodal sein, ohne sich des Hungers der Menschen anzunehmen. Eine synodale Kirche ist eine geerdete, für die Nöte der Zeit sensible Kirche. 

«…und vergib uns, wie auch wir…» 

Synodale Kirchenmenschen sind nicht fehlerlos. Sie werden schuldig und bedürfen der Vergebung. Das Vaterunser verknüpft Gottes Vergebung und das Einander-Vergeben. Eine synodale Kirche bedarf einer Kultur der Versöhnung. Konflikte und Verletzungen müssen besprochen und bearbeitet werden. 

«Und führe uns nicht in Versuchung…» 

Die Gefährdungen auf synodalen Wegen sind zahlreich: die Verlockung der Macht, das Verwechseln der eigenen Vorlieben mit dem Willen Gottes, das Sich-im-Kreis-Drehen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr Gleichgesinnter, Positionen zu besetzen, statt Lagerdenken zu überwinden. 

«…sondern erlöse uns von dem Bösen» 

Selbst was in bester Absicht geschieht, kann sich als lebensfeindlich und zerstörerisch erweisen. Die Bitte, vor überfordernden Situationen verschont zu bleiben, ist zugleich das Eingeständnis, nicht allem gewachsen zu sein. Das Vaterunser an den Anfang oder an den Schluss einer synodalen Begegnung zu stellen, ist mehr als eine Verlegenheitslösung, wenn dabei die Aufmerksamkeit auf eine oder zwei in der jeweiligen Situation wichtige Formulierungen gerichtet wird.
 

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