Endlich Sommerpause! Ende Juni: In Bern ist es seit Tagen um die 35 Grad heiss. Obschon ich mich tatsächlich nach Erholung sehne, ist meine Stimmung gerade nicht so sehr auf Urlaub gepolt … Die Hitze löst bei mir nicht den Impuls aus, viel Zeit in der Badi zu verbringen und das gute Wetter zu loben. Im Gegenteil. Ab 25 Grad ist mir eigentlich zu warm, die Schwitzerei raubt mir den Schlaf, Sonnenbrand ist trotz Sonnenschutz mein ständiger Begleiter.
Im aki sind wir in dieser Hinsicht zwar sehr privilegiert: Ein Arbeitsalltag ohne grosse körperliche Belastung, ein üppiger grüner Garten (mit einem unter der Hitze leidenden Mammutbaum) und halbwegs kühle Innenräume. Wie viel mehr sind jetzt Menschen belastet, die dieser Hitze schutzlos ausgeliefert sind: Strassenarbeitende, Dachdecker:innen, obdachlose oder chronisch kranke Menschen, Kita-Mitarbeitende oder die Studierenden, die jetzt Prüfungen schreiben und sich auf das Lernen zu konzentrieren versuchen … Ich beneide die Generationen nach mir, mit denen wir hier im aki täglich zu tun haben, nicht. Dieses neue «Normal» macht mir Angst. Und es macht mich auch wütend.
Auf Social Media und in den Medien lese ich ständig gut gemeinte und sicherlich auch sinnvolle Tipps: genug trinken, im Schatten bleiben, nachts lüften. Das ändert alles aber nichts daran, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren noch zuspitzen wird und die Verantwortung für den Umgang damit nicht am Individuum hängen bleiben kann. Die Fakten der Klimakatastrophe sind seit Jahren auf dem Tisch. Doch statt die Energiewende und die hitzeresistente Städteplanung, die angemessene Kerosinbesteuerung undden Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel rasch und effizient anzugehen, diskutiert die Politik weiter darüber, ob der Klimawandel überhaupt existiere, wie Geld gespart und vermehrt werden könne, und buttert Unsummen in die Aufrüstung. Dabei: Zeigt dieser Sommer nicht auch, dass es auf jedes Grad ankommt? Lohnt es sich nicht, um jeden Zentimeter dieser Schöpfung zu ringen?
So verstehe ich zumindest die Schöpfungserzählung: Wir sind aufgerufen, uns mitschöpfend für Gottes dynamisches und fortdauerndes Wirken zur Verfügung zu stellen. Schöpfung ruft uns in die Verantwortung.