Alte Bücher, neue Chancen. So bringt Marc van Wijnkoop Lüthi, reformierter Theologe und Vorstandspräsident des Trägervereins, die Vision des Bücherbergwerks auf den Punkt. Das Bücherbergwerk ist nicht nur eines der grössten Buchantiquariate der Schweiz: Auf zwei Stockwerken und über 800 m² finden sich hier über 150000 gebrauchte Bücher.
Es ist auch eine soziale Institution, die Menschen eine neue Chance bietet. Erwerbslose werden bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützt und können sich wichtige Kompetenzen aneignen.
«Die Qualität des Angebots ist uns wichtig»
Belletristik, Kinderbücher, Comics: Im Bücherbergwerk findet sich alles, sauber kategorisiert und geordnet. «Das zeichnet das Bücherbergwerk aus», betont Geschäftsführerin Roberta Winterberg. «Die Qualität des Angebots ist uns wichtig und wird von unserer grossen Stammkundschaft geschätzt.» Das Bergwerk ist aber auch auf treue Kund:innen angewiesen. Besonders galt dies während der letzten Jahre, die für die soziale Institution alles andere als einfach waren.
Ende 2022 stand das Bücherbergwerk kurz vor dem Aus. Getragen wurde der Betrieb damals vom Schweizer Arbeiterhilfswerk Bern. Dieses sah sich aufgrund kantonaler Sparmassnahmen gezwungen, den Betrieb zu schliessen. Doch es kam anders. Innerhalb eines Monats konnten mehr als 70000 Franken gesammelt werden, nicht zuletzt durch Spenden der Landeskirchen. Der Fortbestand des Bücherbergwerks war gesichert, eine Neustrukturierung sowie ein gründlicher Umbau jedoch unumgänglich. Der Trägerverein entschied sich, den Betrieb zu übernehmen und selbstständig zu führen.
Nun gilt es zu zeigen, ob das Bergwerk bestehen kann
Eine mutige Entscheidung sei das gewesen, sagt van Wijnkoop heute, drei Jahre später. Das Bücherbergwerk müsse nun zeigen, ob es bestehen könne. «Ich bin jetzt erst einmal froh, dass der Normalbetrieb einkehrt», sagt Winterberg. Das sei nötig, um den Arbeitssuchenden, die beim Bücherbergwerk beschäftigt sind, einen Rahmen zu geben. Innerhalb dessen könnten sie ihre Kompetenzen trainieren und erweitern.
«Das ist nicht immer einfach. Jede Person bringt andere Vorkenntnisse und Fähigkeiten mit, denen es gerecht zu werden gilt», sagt die Geschäftsführerin. Dabei stosse sie selbst auch manchmal an Grenzen.
Die Nachfrage ist nach wie vor da
Dennoch sind Winterberg und van Wijnkoop zuversichtlich. Die Nachfrage nach Büchern nehme nicht ab: Das zeige sich etwa in Führungen, die van Wijnkoop regelmässig für Schulklassen durchführt. Er möchte den Schüler:innen ein Verständnis für Bücher vermitteln. Die Schönheit eines Buches, wie es funktioniert, wie ein Buch hergestellt wird. Bei Schulbesuchen verlangt er, dass jedem Kind ein Buch finanziert wird.
Meistens wählten die Kinder die teureren Bilderbücher oder Sachbücher über Flugzeuge und Eisenbahnen. Diese müssten sie den Klassen dann meistens unter dem Normalpreis verkaufen, da die Lehrpersonen nur wenig Budget zur Verfügung hätten, sagt Wijnkoop und lacht. Das sei es ihnen aber jederzeit wert.
Bücherbergwerk Bern
Das Bücherbergwerk existiert seit 2011. Der Betrieb unterstützt bis zu acht Arbeitssuchende beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Getragen wird das Bücherbergwerk seit Anfang 2024 vom Verein BücherBergWerk Bern. 2025 wurden die Räumlichkeiten an der Monbijoustrasse umfassend saniert. Finanziert wird das Bücherbergwerk unter anderem mit 24000 Franken aus dem Fonds zur Förderung solidarischer, nachhaltiger und diakonischer Angebote der Gesamtkirchgemeinde Bern.