An allem, was auf der Erde existiert, nagt der Zahn der Zeit. Was entsteht und wächst, zerfällt auch wieder und wird früher oder später zu Staub. Der Gottesdienst an Aschermittwoch ruft diese unbequeme, oftmals verdrängte Wirklichkeit in Erinnerung: «Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.»
Nach biblischem Verständnis ist der Mensch ein «Erdling», von Gott aus Erde («Adamah», hebräisch = Ackerboden) geformt und mit Lebensatem eingehaucht. Alle Geschöpfe sind fortwährend auf den Lebensatem Gottes angewiesen. Wenn dieser fehlt, zerfallen sie zu Staub (Psalm 104,29). Die Rückkehr zum Staub ist die Folge davon, dass sich die Menschen von Gott als ihrer Lebensquelle abwenden, dass sie «nach ihren eigenen Plänen» handeln (Psalm 81,13).
Eine Geste der Demut
Biblische Menschen, die in Not oder Trauer sind oder sich schuldig bekennen, streuen sich Asche auf ihr Haupt, setzen sich in den Staub oder gehen in «Sack und Asche». Sie anerkennen damit, dass sie vergänglich, schuldfähig und auf Gott angewiesen sind. Ihr Verhalten ist eine Geste der Demut. Das lateinische Wort für Demut,«humilitas», bedeutet ursprünglich Erdverbundenheit (von lateinisch humus = Erde).
Ein anderes Begleitwort bei der Aschenausteilung ist der Aufruf: «Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.» Wir sollen umkehren, uns abwenden von der ängstlichen Sorge um uns selbst und uns je neu auf Gott ausrichten. Für Christ:innen hat Umkehr bei der Taufe begonnen und ist eine Lebensaufgabe: im Alltag mit Gott rechnen, statt allein auf eigene Kräfte bauen.
Diese Hinwendung zu Gott bedeutet nicht eine Abkehr von den Menschen. Vielmehr ist gemeint, mit Gott auf das eigene Menschsein und auf die Mitmenschen zu schauen und deren ganze Wahrheit zu erkennen: dass wir von Gott geliebte und erlöste Geschöpfe sind.
Möglichkeit eines Neubeginns
Auf einem Mosaik in der Apsis der Basilika Santa Prassede in Rom (9. Jh.) ist auf einer Palme ein Phönix dargestellt. Von dem Vogel aus der antiken Mythologie heisst es, dass er am Ende seines Lebens sich selbst verbrennt, um aus der Asche neu zu erstehen. Die Christ:innen der Frühzeit sahen im Phönix ein Symbol für Christus, der aus dem Tod erstanden ist. Die Asche steht hier für die Möglichkeit eines Neubeginns, für Hoffnung gegen alle Hoffnung.
Lesen Sie den Text in ausführlicherer Form auf Glaubenssache online