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Anna-Seiler-Brunnen in Bern. Foto: Wikimedia Commons

Auf starken Schultern

Kolumne aus der Inselspitalseelsorge

Seit März bin ich als Seelsorger am Inselspital Bern tätig. In meinem ersten Monat wurde ich von meinen Kolleg:innen nicht nur in die verschiedenen Aspekte der Spitalseelsorge eingeführt, sondern habe auch viele Kilometer unter die Füsse genommen, um mich in den diversen Häusern des Universitätsspitals überhaupt orientieren zu können. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Mehrzahl der Gebäude des Inselspitals nach Frauen benannt ist, und ich bin diesem Faktum ein wenig nachgegangen.

Zuerst ist sicherlich Anna Seiler zu nennen, nach der das neue, schmucke Hauptgebäude von 2023 benannt ist. Sie verfügte 1354 testamentarisch und vielleicht auch unter dem Eindruck der Pestepidemie in Bern (1350) die Gründung des sog. «Seiler-Spitals», des Vorläufers des heutigen Inselspitals. Nur wenige Jahrzehnte später stiftete die kinderlose Anna von Krauchthal aus dem Vermögen ihrer Familie die Kreuzmatte dem bereits bestehenden Seiler.Spital, auf welcher seit 1884 das Inselspital situiert ist.

Chronologisch begegnet uns jedoch zuvor im 17. Jahrhundert Marie Colinet, die als Hebamme und Wundärztin tätig war und nach der die heutige Frauenklinik benannt ist. Schliesslich Julie von Jenner, die ebenso wie Anna Seiler testamentarisch die Gründung eines Spitals zur Pflege kranker Kinder ermöglichte. Das «Jenner-Spital» ging im 19. Jahrhundert im Inselspital auf und beherbergt heute die Kinderklinik.

Das heutige Inselspital kennt seine Wurzeln und weist deshalb zu Recht auf jene beeindruckenden Frauen hin, die sich zeitlebens oder über ihren Tod hinaus dem Wohl der Menschen verpflichtet fühlten: Sei es durch den caritativen Einsatz ihres Vermögens oder durch ihre Tätigkeit als Hebamme oder Wundärztin. Mögen sie auch für uns Vorbild und Orientierung sein.

 

Manuel Simon, Seelsorger im Inselspital

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