Der Aschermittwoch markiert das Ende der Fasnacht. In der Bibel wird der «fleischlich» gesinnte Mensch dem geistlich gesinnten gegenübergestellt. Auf die Zeit des ausgelassenen Feierns und des reichlichen Essens folgt ein bewusster Einschnitt: der Aschermittwoch. Er lädt uns ein, innezuhalten, nachzudenken und unser Leben neu auszurichten. Dies geschieht in einem starken Ritual – dem Aschenkreuz. Es erinnert uns an unsere Vergänglichkeit und daran, dass unser Leben nicht allein aus Konsum, Leistung und Zerstreuung besteht.
In der alten Liturgie wurde vor der Auflegung der Asche gebetet: «Allmächtiger ewiger Gott, du hast den Niniviten, die in Sack und Asche Busse taten, Verzeihung und Rettung geschenkt; lass uns gnädig ihr Verhalten so nachahmen, dass wir wie sie Vergebung erlangen.»
Gott zeigt Mitleid mit den Bewohnern von Ninive, weil sie auf das Wort des Propheten Jona hören, Busse tun und sich von ihren bösen Taten abwenden. Ich weiss nicht, ob ich mich wirklich von all meinen «bösen Taten» abwenden kann, denn vieler meiner Verhaltensmuster bin ich mir gar nicht bewusst. Wo mir mein Fehlverhalten jedoch klar wird, versuche ich, die Dinge möglichst zeitnah zu klären – nicht nur während der Fastenzeit.
Was ich mir für diese Zeit besonders vornehme, ist, mein Verhalten und meine Gedanken bewusster wahrzunehmen. Das gelingt nur, wenn ich innerlich ruhig werde und ganz bei mir ankomme. Die grösste Hürde dabei ist die Geschwindigkeit unserer Welt. Das Hamsterrad dreht sich unaufhörlich. Wann bleibt Zeit zum Innehalten, zum Prüfen der eigenen Gedanken und zur Umkehr?
Vielleicht sollten wir gerade unseren Perfektionismus in der Fastenzeit betrachten. Vielleicht dürfen wir das Unperfekte, das Menschliche wieder zulassen. So können wir mit all unseren unvollkommenen Seiten vor Gott stehen und ihn in unser Herz einlassen. Auch das kann Fasten bedeuten: ein offenes Herz für Gott – und dadurch ein liebevollerer Umgang mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst.
Gott interessieren nicht unsere perfekt gepflegten Rituale. Ihn interessieren unsere Herzen.