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Treue zum Ursprung, Besinnung auf den Auftrag, Ausrichtung auf die Zukunft: All das meint «Reform» Foto: Unsplash

Arbeit der Kirche an der eigenen Form

Die römisch-katholische Kirche braucht eine Reform, das sagt sie sogar selbst: «Ecclesia semper reformanda.» Doch was genau soll sich ändern? Wenn man den Begriff «Reform» hinterfragt, gewinnt die Forderung an Schärfe.


Der Ruf nach «Reformen» ist allgegenwärtig – in Schule, Politik, Gesellschaft und Kultur. Immer schwingen dabei Fragen mit: Wie tiefgreifend sollen die Veränderungen sein? Ist das Ziel die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche oder die Ausrichtung auf neue Herausforderungen? 

Das Zweite Vatikanische Konzil benennt das kirchliche Spannungsfeld: Die Kirche gehe «immerfort den Weg der Busse und der Erneuerung». Prägend wurden die Begriffe «Aggiornamento» («Verheutigung») und «ad fontes» («zurück zu den Quellen»): Reform meint Besinnung auf den jesuanischen Ursprung der Kirche – und zugleich Aufmerksamkeit für die «Zeichen der Zeit». 

Der Begriff selbst trägt diese Spannung in sich: «Re-Form» bedeutet einerseits, etwas wieder in Form zu bringen – andererseits meint «re» im Lateinischen verstärkte Intensität: etwas zu seiner eigentlichen, tieferen Form bringen. Schon der Begriff enthält also eine dreifache Zielbestimmung: Treue zum Ursprung, Besinnung auf den Auftrag und Ausrichtung auf die Zukunft. 

Was soll sich ändern? 

Die Kirche ist eine vielschichtige Wirklichkeit. Die Erwartungen sind entsprechend vielfältig: eine erneuerte Liturgie, Weiterentwicklung von Glaubenslehre und Moral, Reform der Ämterstruktur und des Kirchenrechts, ein verstärktes Miteinander, Aufarbeitung von Missständen. Manches lässt sich «vor Ort» verändern – anderes erfordert Entscheide der Weltkirche oder einen Mentalitätswandel, den keine Institution von oben verordnen kann. 

Wie verändert sich Kirche? 

Reformen kamen stets aus sehr verschiedenen Richtungen: von engagierten Randgruppen, neuen Ordensgründungen, spirituellen und sozialen Bewegungen – aber auch von Konzilien und Synoden oder unter dem Druck von Krisen. 

Für die Glaubenslehre lassen sich drei Muster unterscheiden: Erstens die offene Korrektur – wenn eine frühere Position ausdrücklich revidiert wird, wie 2018 beim Katechismus zur Todesstrafe. Zweitens das «bewusste Vergessen» – wenn überholte Lehren stillschweigend fallengelassen werden. Drittens die Neuerung ohne Eingeständnis – wenn Wandel als Kontinuität dargestellt wird, wie beim Schwenk von der päpstlichen Ablehnung der Menschenrechte im 19. Jahrhundert zur Anerkennung der Religionsfreiheit durch das Zweite Vatikanum. 

Synodalität – «die» Reform der Reformen? 

Papst Franziskus hat einen weltkirchlichen synodalen Prozess angestossen, der Kirche auf allen Ebenen verändern soll. Diese Entwicklung ist wichtig – wenn sie mit Energie und Offenheit angegangen wird. Gleichzeitig droht «Synodalität» zum Sammelbegriff für sehr Verschiedenes zu werden. Wer Reform ernst nimmt, muss präzisieren: Was soll sich wo und wie verändern? Die Antwort führt zurück zur dreifachen Zielbestimmung von «Re-Form»: Treue zum Ursprung, Besinnung auf den Grundauftrag und Ausrichtung auf die Zukunft.


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