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Arbeit

Gedanken zum Tag der Arbeit am 1. Mai

Barbara Ammann, Pastoralraum Seeland

Nicht arbeiten zu müssen, ist wunderbar – jedenfalls für eine begrenzte Zeit. Meistens sind diese arbeitsfreien Zeiten schöne Zeiten. Ferien, Kurzausflug, Mutterschaftsurlaub, Vaterurlaub, Sprachaufenthalt …

Nicht arbeiten zu dürfen oder zu können, ist eine ganz andere Geschichte. In den letzten 20 Jahren meines Berufslebens unterstützte ich arbeitslose Menschen – Menschen, die sogenannt ausgesteuert waren, also abhängig von der Sozialhilfe lebten. Das Wort «ausgesteuert» war für mich immer eine furchtbare Bezeichnung und berührt mich auch heute immer noch unangenehm. Aus – gesteuert. Ins Aus gesteuert. 

Diese Menschen erscheinen in keiner Arbeitslosenstatistik mehr, sie sind also weder arbeitslos noch gehören sie zur arbeitenden Bevölkerung. Nirgends mehr dazuzugehören – ein tief verletzendes Gefühl. Die Stigmatisierung ist hoch. Vereinsamung und Verwahrlosung geschehen schleichend.

Diese Menschen am Rand brauchen die Fürsorge und Anteilnahme von uns Christinnen und Christen ganz besonders. Sie sind froh um Menschen, die ihnen beistehen, sie einladen, sich mit ihnen verabreden, sich mit ihnen über ihre Träume und Wünsche unterhalten, das tut der Seele gut.

Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, könnte ein Tag der Solidarität mit diesen Menschen sein, und ein Tag, um sich zu überlegen, was Arbeit aus biblischer Sicht bedeutet. Die Rede von der Arbeit gründet im Schöpferhandeln Gottes, der selbst sein Werk vollendet und «erarbeitet». So können wir davon ausgehen, dass Arbeit im Namen Gottes als Gottesgabe gewürdigt und wertgeschätzt wird. Dass jede Arbeit ihres Lohnes wert ist, wird im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg erzählt (Mt 20,1–16).

Faire Bezahlung menschlicher Arbeit bildet die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Eingefordert wird ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Ruhe. Ruhe und stille Zeit, die Gott gehört.

Setzen wir uns dafür ein. Würdigen wir jede Arbeit der Menschen, auch wenn sie nicht bezahlt ist, und geben ihnen das Gefühl, ein Mensch unter Menschen zu sein. So wird auch ein arbeitsloses Leben erträglicher, und Hoffnung kann wachsen …