Am Montag (17.11.) publizierte die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) eine Standortbestimmung. Darin hält sie fest, dass das Privatleben von Seelsorgenden ein relevantes Kriterium für eine kirchliche Anstellung (Missio) bleibt. Die «Allianz Gleichwürdig Katholisch» (AGK), die sich für Reformen in der römisch-katholischen Kirche einsetzt, fordert seit langem eine Entkopplung von Privatleben und Missio.
«Wir erachten konkrete Änderungen in der Praxis als nötig, um Anstellungsbedingungen für Seelsorger:innen zu schaffen, die zukunftsgerichtet und gleichwürdig sind. Diese Erwartung erfüllt die Standortbestimmung der SBK nicht», sagt Mentari Baumann, Geschäftsführerin der AGK auf Nachfrage des «pfarrblatt».
Aufforderung zu Willkür
Die als «Standortbestimmung» bezeichnete Antwort der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) könne auf zwei Arten verstanden werden, so Baumann: Die SBK anerkenne zwar, dass die aktuelle Praxis viel Willkür beinhalte, die zu einem Klima der Angst führen könne», dennoch «lesen sich einige Stellen wie eine Aufforderung zu noch mehr Willkür».
Die Allianz erkennt dennoch auch einen Hoffnungsschimmer. Das Schreiben könne nämlich auch als Aufforderung an Bistümer, Bischöfe und Kantonalkirchen verstanden werden, «für ihre jeweiligen Regionen Lösungen und Prozesse zu erarbeiten, die den Seelsorger:innen und ihrem Privatleben gerecht werden», so Baumann.
Bischof Gmür: Transparenz durch Gespräche
Die AGK hofft auf Letzteres und ist «gespannt auf die Reaktionen und allenfalls schon Handlungsvorschläge aus den Bistümern». Eine ausführlichere Stellungnahme zum Dokument und die Planung weiterer Massnahmen sei im Gang.
Dass aus den Bistümern konkrete Handlungsvorschläge kommen werden, darf bezweifelt werden. Auf die Frage des «pfarrblatt», wie der Basler Bischof Felix Gmür ohne Kriterienkatalog Transparenz gewährleisten will, antwortet dessen Sprecher: «Transparenz entsteht durch ehrliche Gespräche zwischen Bischöfen und Seelsorgenden. Bischof Felix Gmür trägt den Entscheid der SBK mit, dass man Willkür vermeiden will, indem man klar kommuniziert, dass jede Entscheidung auf einem Prozess des Zuhörens beruht.»
Gmür sei überzeugt, «dass die gewünschte Klarheit nicht einfach durch einen Katalog von Regeln und Kriterien erreicht werden kann.» Wichtig und zielführend sei das gemeinsame Gespräch mit den Ausbildungsverantwortlichen bereits am Anfang des Studiums. «Das schafft Klarheit», meint Gmür.
(aktualisiert 19.11.: Antworten Felix Gmür/sys)