«Ich lebe mein Leben
in wachsenden Ringen.»
Rainer Maria Rilke
Wenn ich auf meine 13½ Jahre am Inselspital zurückblicke, kommt mir dieser Gedanke von Rainer Maria Rilke in den Sinn: dass wir unser Leben in wachsenden Ringen leben. Für mich schliesst sich hier ein solcher Ring – und zugleich beginnt ein neuer.
Als Seelsorgerin durfte ich auf der Kinderintensivstation, der Neonatologie, auf der Pränatal- und der Mutter-Kind-Station Menschen in besonderen Momenten ihres Lebens begleiten: in Zeiten der Hoffnung und des Neubeginns, aber auch in Momenten der Sorge, des Ringens und des Abschieds.
Viele Begegnungen waren leise, manche intensiv, einige nur flüchtig – und doch von grosser Tiefe. In Piketteinsätzen, in Notsituationen, auf Fluren oder am Bett eines Kindes durfte ich immer wieder erleben, wie viel Menschlichkeit, Hingabe und gegenseitiges Mittragen in unserer gemeinsamen Arbeit liegt.
Ein besonderer Dank gilt den Patient:innen und ihren Familien für ihr Vertrauen – für ihr Fragen, ihr Hoffen und ihr suchendes Unterwegssein, an dem ich ein Stück mitgehen durfte. Viele dieser Begegnungen haben mich tief berührt und beschenkt. Rückblickend war diese Zeit für mich auch eine leise Schule der Liebe.
Von Herzen danke ich den Behandlungsteams für das Vertrauen und die Zusammenarbeit, und ich danke den interdisziplinären Diensten und dem Seelsorgeteam für die Weggemeinschaft und das gemeinsame Tragen und den Austausch untereinander.
Ein Dank gilt an dieser Stelle auch einmal allen Leser:innen der Inselkolumne – und für die Rückmeldungen. Zu wissen, dass Worte Menschen erreichen, berühren oder begleiten dürfen, war für mich immer etwas Kostbares. Alle Begegnung hat ihren Anfang und ihr Ende. Darum ist Abschied auch ein «A-Dieu» – ein «Zu-Gott-hin». Dankbar lege ich diese gemeinsame Zeit in Gottes Hände.
Ein Ring schliesst sich – und still beginnt ein neuer.
Möge Gottes Segen uns behüten.
Isabella Skuljan, Seelsorgerin im Inselspital