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Foto: Hubert Kössler

Abschied aus der Seelsorge

Kolumne aus der Inselspitalseelsorge

Seit meinem Stellenantritt in der Seelsorge des Inselspitals im August 2008 habe ich 18-mal die Zeit rund um Weihnachten im Spital erlebt. 18-mal Weihnachtsdekorationen auf dem ganzen Areal. 18-mal Christstollen und Weihnachtsgüezi in den Personalrestaurants. 18-mal Jahresschlussessen mit dem Direktionspräsidium. 18-mal Besuche bei Patient:innen, die zu krank sind, um die Feiertage zu Hause verbringen zu können. Vor allem: 18-mal Berührtwerden von den Schicksalen, die Menschen erleiden müssen; aber auch von der Kraft und Hoffnung, mit der viele der Situation begegnen. 18-mal mein mehr oder weniger glückender Versuch, dem Geheimnis der Menschwerdung nachzuspüren. Im Spital bekommt das Wort «Inkarnation» eine ganz eigene Bedeutungsfülle.

Dieses Jahr wird es für mich das letzte Weihnachten in dieser Funktion sein. Ich habe mich entschieden, etwas kürzerzutreten und mein Amt als Spitalseelsorger aufzugeben. Von Januar 2026 an werde ich nur noch in der Klinischen Ethik (wo ich seit 2016 ein Teilpensum innehabe) arbeiten.

Ich war immer sehr gerne Spitalseelsorger und werde den direkten Kontakt mit Patienten, Patientinnen und Angehörigen vermissen. Als Medizinethiker werde ich vor allem für die Mitarbeitenden zur Verfügung stehen – im Unterricht, in Arbeitsgruppen und Kommissionen, in der Moderation ethischer Fallbesprechungen.

Ich danke allen, die die Seelsorge in der Insel in irgendeiner Weise unterstützen. Vor allem danke ich den zahllosen Patienten, Patientinnen und Angehörigen für die Offenheit, das Vertrauen und für ihr suchendes Unterwegssein, an dem ich oft teilhaben durfte. Sie haben mich reich beschenkt und etwas von der Menschwerdung Gottes in der Welt erahnen lassen.

Hubert Kössler, Spitalseelsorger im Inselspital

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