Für die jungen Künstler:innen sind HipHop-Gottesdienste eine Form der Begegnung mit Gott. Das HipHop Center, in dem sie ihre eigene Sprache finden können, wird ermöglicht von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bern (AKiB) und von refbejuso.
Christian Geltinger, Kommunikation Pastoralraum Bern und Umgebung
Wieder was gelernt! Hip-Hop-Gottesdienste sind längst keine Seltenheit mehr. Das Phänomen Hip-Hop ist schon seit den 70er Jahren ein Ausdruck der Suche nach dem Sinn des Lebens. Spielerischer vermittelt das kurze Kahoot-Quiz am Anfang des Gottesdienstes die Facts zur Geschichte des Hip-Hop. Und ein Song hat rund 90 Beats. An der Popularität des Hip-Hops im Kontext der Verkündigung hat sich bis heute wenig geändert. Die entlarvende Ehrlichkeit, mit der die jungen Hip-Hopper:innen des HipHop Centers Bern in der Heiliggeistkirche am Bahnhofsplatz performen, hat weder mit Anbiederung an die junge Zielgruppe zu tun, noch versteckt sich dahinter eine Nähe zu charismatischer Bekenntnishaftigkeit, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick befremdlich wirkt, wenn junge Menschen darüber berichten, wie ihnen Gott in ihrem Alltag begegnet und wie die Musik ihnen dabei hilft, mit ihm in Beziehung zu treten. «Letschti wieder öpperem erklärt, dass musig mache für mi kei flucht isch», singt gleich zu Beginn ND Light Acho.
Vielfalt spiritueller Zugänge
20 Jahre gibt es mittlerweile die Hip-Hop-Gottesdienste in Bern. Und es wird einmal mehr klar: Um heute junge Menschen abzuholen, braucht es manchmal andere Formen. Und es kann sehr erfrischend sein, wenn die jungen Menschen das selbst in die Hand nehmen wie die beiden Moderatorinnen Meli und Luana. Nicht alle Jungen sind gleich: Die einen fühlen sich eher in der traditionellen Liturgie beheimatet, andere können mit Kirche von Anfang an wenig anfangen. Die Begegnung mit Gott hängt nicht nur von der Form oder dem Besuch des Gottesdienstes ab, es gibt eine Vielfalt von spirituellen Zugängen zu Gott. Wir sind da zum Glück heute weniger mit ideologischen Scheuklappen unterwegs. Was alle eint, ist die Erfahrung der realen Begegnung.
Im Dschungel von Dating-Apps
Es ist berührend, wenn junge Menschen uns an ihren Erfahrungen teilhaben lassen, dass sie in ihrem Alltag über den Sinn des Lebens nachdenken, dass sie im Dschungel von Dating-Apps, Social-Media-Stress und der verzweifelten Suche nach dem richtigen Job Halt in der Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu guten Freund:innen (nicht Followern!) suchen. Man spürt in allen Songs die tiefe Sehnsucht, auszubrechen aus der Überforderungs- und Optimierungsmaschinerie, in der man nur noch den KI-generierten Idealbildern seiner selbst hinterherhechelt. Es sind die Hochs und Tiefs, die das Leben erst lebendig machen, das ist der einhellige Tenor. Und so geht man am Ende des Gottesdienstes in den Frühlingstag und freut sich, einmal mehr die Vorurteile über eine Social-Media-verseuchte, gegenüber dem realen, analogen Erleben immun gewordene Jugend widerlegt zu sehen und persönlich berührt worden zu sein.